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Sichtbares Gedenken

 

Persönliche Erinnerungszeichen
zeigen den Wandel der Friedhofskultur 

 

Im Althochdeutschen bezeichnet „frithof“ einen eingefriedeten Bereich rund um eine Kirche – einen geschützten Ort also. Zum „Hof des Friedens“ wurde der Kirchhof oder Gottesacker erst im Lauf der Jahrhunderte. Das hat viel mit den gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun, die sich nicht zuletzt in der Gestaltung der letzten Ruhestätten und des gesamten Ensembles widerspiegeln. Heute ist der Friedhof ein Ort des Trauerns und des Gedenkens. Zugleich ist er ein Ort, an dem Hinterbliebene ihren inneren Frieden finden können. 

Wer mit wachem Blick durch Gräberreihen und an Urnenwänden vorbeigeht, stellt fest, dass sich in den vergangenen Jahren auf dem Friedhof viel verändert hat. Statt fast uniformer Grabfelder mit dem immer gleichen grauen oder weißen Granitstein finden sich zunehmend ganz persönliche Trauerzeichen. Dazu gehören beispielsweise Kuscheltiere, kleine Engel, österliche oder weihnachtliche Dekorationen, bunte Bänder in den Bäumen oder Fotos und Briefe. Das mag so mancher Friedhofsverwaltung gegen den Strich gehen und ästhetischen Grundsätzen widersprechen – ist aber die Rückkehr zum individuellen Gedenken – und damit ebenso Teil unserer Erinnerungskultur  und damit ebenso Teil unserer Erinnerungskultur wie Grabmal und Blumenschmuck.

Der Gang zum Friedhof ist für viele Angehörige ein festes Ritual. Hier können sie Zwiesprache mit dem Verstorbenen halten, hier treffen sie mitfühlende Menschen, die aus eigener Erfahrung Trauer und Verlassenheit kennen. Da kann selbst ein kurzes Gespräch über die Grabbepflanzung tröstlicher werden als eine professionelle Trauerberatung – besonders jetzt, im Frühling, wenn das Leben sich endlich wieder von seiner bunten Seite zeigt. Vögel zwitschern in den uralten Friedhofsbäumen, Gärtner schieben Schubkarren voller frischer Erde und Blumen, kehren das welke Herbstlaub von den Wegen. Auf dem Nachbargrab prunken schon Stiefmütterchen und Bellis. Da keimt bei aller Trauer Zuversicht auf. Das Leben geht weiter. Es wird Zeit, die Grabstelle von der Last der dunklen Jahreszeit zu befreien und ihr ein Frühlingsgesicht zu geben.

 

Und was symbolisiert diese Zeit des Erwachens besser als die Klassiker dieser Jahreszeit, Krokusse, Narzissen, Tulpen, Bellis, Hornveilchen, Hyazinthen? Dazu als Rahmen immergrüne Bodendecker. Diese haben zudem noch einen Mehrwert: Sie verhindern zuverlässig, dass Unkraut allzu üppig sprießt. Ysander, Efeu oder Haselwurz sind robust und pflegeleicht. Und sie kommen mit wenig Licht und Feuchtigkeit aus.  Ein besonderes Schauspiel bietet im Frühjahr der  Wurmfarn (Dryopteris affinis „Pinderi“), wenn er ganz allmählich seine Blätter entrollt. Er liebt übrigens schattige Lagen. Das gilt auch für die Golderdbeere (Waldsteinia ternata). Sie strahlt im April und als goldgelber Blütenteppich. 

 

„Das Äussere einer Pflanze ist nur die eine Hälfte der Wirklichkeit“. So philosophierte bereits Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832). Doch schon sehr viel früher haben die Menschen gewissen Pflanzen (menschliche) Eigenschaften zugesprochen. So lässt sich mit unzähligen Gewächsen ausdrücken, was Worte nicht zu sagen vermögen. Vergissmeinnicht beispielsweise stehen für einen Abschied in Liebe, aber auch für die Erinnerung. Stechpalme, Wacholder, Birke, Hasel, Lavendel, Schafgarbe, Kornblume, Jungfer im Grünen und Mistel sollen das Böse abwehren. Kornblume, Mimose, Akazie und Zeder symbolisieren Beständigkeit. Als Zeichen der Erinnerung pflanzt man Immergrün, Lavendel, Stiefmütterchen und Thymian. Frieden verheißen Linde, Lorbeer, Myrte, Palme, Stechpalme und Verbene. Nun lässt sich eine Linde nicht unbedingt auf ein Grab pflanzen. Aber auch im heimischen Garten kann eine Symbolpflanze ein großer Trost sein. 

Vergiss mich nicht

 

Der Frühling ist die Zeit des Neubeginns –
auch bei der Grabbepflanzung